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Die Bilder der Arbeit entstanden zwischen 2013–2015 auf Reisen durch die USA. 7000 Meilen später sind sie eine Geschichte. Vier Lebensmodelle, die die Vorstellung des amerikanischen Traums von Freiheit und die (un)endlichen Möglichkeiten des Landes zeigen.

Nina Hansch lernte die unterschiedlichsten Menschen kennen und verbrachte teilweise Wochen mit ihnen zusammen über 3 Jahre lang. Dabei formte sich ihr Blick über den amerikanischen Traum in seiner individuellen Auslegung  und seinen unendlich weiten Horizont neu. Dabei beschäftigte sie sich mit der Frage,  wo verläuft die Grenze zwischen Freiheit und Zwang?

Ein Aufkleber-Zitat in einem sehr alten roten Chevy konkretisierte ihre Sicht. Es klebte über dem Handschuhfach des Beifahrers, „Be flexible! I am!“ Der Fahrer des Wagens war 74 Jahre alt und wechselte mit 70 Jahren nochmal seinen Job. Nicht nur weil er wollte, sondern weil er musste. Die unendlichen Möglichkeiten des immer-wieder-Aufstehens und war so beeindruckt, dass sie jedem einzelnen innerlich zu jubelte. Ab da an war das Thema , welches in ihr schlummerte glasklar. Die positive Grundhaltung dieser Möglichkeiten-Jäger und Überlebensstrategen. Barry, Sam, Lalo und Cody  sind sehr stolz darauf, ihre Freiheit zu leben. Ein feines Netz entstand zwischen persönlichen Grenzen, Träumen und amerikanischer Identität abseits der idealisierten und tradierten Klischeebilder.

 

Barret

Barret, der liebe Junge aus Pennsylvania, der Schauspiel studierte, wohnt heute in einem überteuerten Venice Beach Apartment. Er bringt dich nach jedem Besuch zum Auto und sagt „pass auf dich auf “. Damit meint er, bis zum Auto hat er auf dich aufgepasst aber nun bist du wieder an der Reihe, dass selbst zu übernehmen. Den Weg der kleinen Rollen, nicht nur die der Geldscheine geht er schon zu lange. Je öfter ich ihn besuchte, desto spürbarer wird der kürzer werdende Atem der vergangenen Leichtigkeit. Der eine Traum, ist der des berühmten Schauspielers, das Haus seiner Mutter in Pennsylvania ab zu bezahlen, ein anderer.

Sam

In La Grange leben heute noch 345 Personen in einfachsten Verhältnissen. Für den großen Goldgräber-Ansturm in der Stadt kam Sam zu spät auf die Welt. Dafür ist die Leichtigkeit des Moments sein Leben geworden. Die behält er sich neben dem Barkeeping, den Maler Jobs und der Pflege seines Vaters. Sam kennt jeden Song aus der Musikbox. Er redet nicht viel, ausser es geht um Linksliberalismus, Humanismus, Freiheit und Chancen. Eine dieser Chancen sind die Fremden, die in den Salon kommen. Dann bleibt er länger in der Bar und unterhält sich, bis seine Frühschicht als Pfleger seines Vaters beginnt. Seine größte Gelegenheit war das Angebot eine Mauer von 20 Metern mitten in Sacramento zu bemalen. Jeder hätte sie gesehen. Er nahm den Job nicht an. Die Bezahlung war zu niedrig. Die Freiheit die ihn nichts kostet, ist den Tuolumne River im Kanu entlangzufahren.

Gerardo Lalo Camarena

Die mehr als 7000 Hektar große Ranch mit hunderten von Kühen, wird von Lalo allein bewirtschaftet und liegt ca. 60 Meilen vor dem Yosemite National Park. In der Mitte des Farmlands, sieht der Horizont in jede Himmelsrichtung gleich aus. Es ist still. Lalo ruft von seinem Futter-Truck aus die Kühe zusammen, ein langgezogenes „Cow“ danach ein Schnallen mit der Zunge. Es funktioniert, die Kühe folgen ihm. Als Cowboy verbringt Lalo kaum Zeit im Sattel, er ist Farmer, Tierarzt, Mechaniker, BWL´er alles auf einmal. Für seine eigene Versorgung bleibt der nächste Tankstellen Supermarkt. Seit 2015 ist Lalo Manager auf einer anderen Ranch in Portville entlang der Route 99, drei Stunde südlich von der alten Ranch entfernt.

Cody 

Cody studierte Fotodesign. Nach dem Studium war schnell klar, dass er nach Joshua Tree ziehen. Der ruhige Ort neben Twentynine Palms. Hier entstand 2013 auf einem Hinterhof unter dem Sternenhimmel das Mode Start-up „Totally blown“. Mitten im Joshua Tree, dem Zentrum der Yogis, Musiker und Künstler, wird seitdem Fashion geschossen.
Dabei ist Cody kein Waffennarr. Er würde sagen, dass es darum geht die vorhandenen Ressourcen bestmöglich zu nutzen und dabei aus diesem vermeintlich „bösen“ etwas positives zu erschaffen. Sein eigenes System mit Hilfe des etablierten ermöglichen. Mittlerweile läuft das Business mit der löchrigen Kleidung, die in Los Angeles verkauft wird und online sehr gut.